Revolutionäre, Rebellen und sonstige Randgruppen

Sie fragen sich jetzt sicher: Aber warum hat denn das keiner bemerkt, dass der Narziss psychologisch gesehen immer noch auf der Entwicklungs-Stufe eines Steinzeit-Menschen herumdümpelt? Es muss doch unter all den klugen Köpfen auf dieser Welt auch ein paar gegeben haben, die das gemerkt und etwas dagegen unternommen haben! Nun, auch das hat natürlich gute Gründe: Dass es in Bezug auf Narzissten so viele Missverständnisse gibt, liegt unter anderem daran, dass sie heutzutage nicht mehr aussehen wie Primaten. Ganz im Gegenteil.

Die Fassade der Zivilisation

Sie sehen meist sogar überaus adrett aus, sie verhalten sich recht manierlich und tun ziemlich zivilisiert. Und natürlich hat es auch jemand bemerkt. Es gab ja im Laufe der Geschichte auch immer wieder mal Bewegungen und Revolutionen oder Geheimbünde und zahlreiche Gutmenschen, die die Welt ändern wollten. Gelegentlich auch mit Gewalt. Die Welt ist nun einmal insgesamt ziemlich unvollkommen. Also finden sich auch immer irgendwelche Menschen, die dagegen sind.

RebellenRevolutionäre, Rebellen und sonstige Randgruppen
Wir sollten nicht vergessen, dass den Narzissten, so unterschiedlich sie auch in Erscheinung treten mögen, doch allen ein Wesenszug gemeinsam ist: Sie ringen fortwährend um Anerkennung. Die Angepassten unter ihnen nach der Anerkennung derer, die gerade mächtig und wichtig sind. Die Trotzigen nach der Anerkennung von Revolutionären, Rebellen und sonstigen aufmümpfigen Randgruppen. Trifft es sich da nicht ganz besonders nett, wenn diese sich dann auch noch Trotzkisten nennen?

Trotzige Narzissten jedenfalls widersetzen sich grundsätzlich allem, was auch nur im Entferntesten im Ruch der allgemein anerkannten Autorität steht, also dem gesamten Establishment und überhaupt allen Anzug- und Perlenkettenträgern. Sie sympathisieren dafür umso wahlloser mit sämtlichen gesellschaftlichen Gegenbewegungen und allen Unterdrückten, Erniedrigten oder Beleidigten.

Rudel, Hackordnung, SchafeDie Anfänge von Politik und Staatswesen

Wir Menschen tun ja im Allgemeinen gerne so, als ob der Homo sapiens höher entwickelt wäre als seine Primaten-Verwandten und überhaupt als all die anderen Säuger. Das ist allerdings nicht der Fall. Denn alles, was tatsächlich etwas komplexer geworden ist, ist das wirkliche Leben da draußen. Der Mensch selbst eigentlich eher nicht.

Die Guten und die Bösen

Damals war die Welt jedenfalls noch ziemlich einfach: Die, die zum Rudel gehörten, waren aus Sicht des Rudelchefs die Guten und die anderen, also die sich nicht zum Affen machen ließen oder nicht dazu gehörten, warum auch immer, das waren die Bösen. Schon weil jedes Rudel aus irgendeinem unerfindlichen Grund immer glaubt, dass es das Beste aller Rudel sei. Das kann für das gegnerische Rudel mitunter recht gefährlich werden. Zum Beispiel dann, wenn das Rudel unzufrieden ist. Dann muss der Führer das allgemeine Murren irgendwie beruhigen und seine Unzulänglichkeiten anderweitig kompensieren.

Böse sind immer die anderen

Es ist also nur logisch, dass er dann behauptet, die anderen seien böse. Wenn das Rudel - und das sind naturgemäß viele - dann ebenfalls zur Auffassung gelangt, die anderen seien böse, dann sind die anderen eben auch böse. So einfach war früher die Logik. Und wenn das andere Rudel dann immer noch nicht klein beigibt, haben wir ein diplomatisches Problem.

Wir lernen daraus, dass das Feindbild eine sehr praktische Erfindung ist, denn es schart die ängstlichen Primaten um das Zentrum der Macht. Außerdem braucht der Narziss stets Sündenböcke, um seine eigene Unzulänglichkeit zu kaschieren und das Rudel für seine Bedürfnisse zu mobilisieren. Und weil komplexe Dinge für ihn einfach zu hoch sind, begnügt er sich eben gerne mit simplen Erklärungen.

Rituale der Macht
Es ist also kompletter Nonsens, wenn heute immer noch behauptet wird, die Staaten hätten sich erst mit der Antike herausgebildet. Nein, auch die Primaten hatten bereits eine ziemlich komplexe Politik. Genau genommen ist es dabei im Wesentlichen bis heute geblieben, weil ein mehr an Komplexität dem archaisch gestrickten Gehirn des Narzissten einfach nicht zuzumuten ist.

Auch an den Ritualen der Macht hat sich im Prinzip wenig geändert. Das große Tabu kaschiert immer noch die hässlichen kleinen Machtspielchen hinter den Kulissen der Zivilisation. Im Zentrum der Macht herrscht zwar Tohuwabohu, aber egal. Hauptsache, die Fassade stimmt. Also tun wir einfach mal weiter so, als ob, weil alles andere könnte ja das System gefährden und wir haben gerade kein besseres. Was vermutlich vor allem daran liegt, dass es aus Menschen besteht.

AffeDie Grundzüge des Ape-Management

Wir sprechen hier von jener fernen Zeit, als sich der Oberaffe noch auf die Brust trommelte, die Zähne fletschte und lauthals schnatterte, um bei seiner Affenherde Eindruck zu schinden. Damals, als die Rangniedrigeren aber schon schlau genug waren, Subordination zu mimen, während sie gleichzeitig jede Gelegenheit nutzten, um am Chefsessel zu sägen. Das liegt den Alpha-Tierchen offenbar in den Genen.

Die Position im Rudel

Der Anführer bestieg die attraktivsten Weibchen, die das meist auch recht willig geschehen ließen, weil sie so ihre Position im Rudel verbessern oder festigen konnten. Die Alpha-Affen bestiegen die Weibchen, um sich möglichst oft zu reproduzieren. Schon weil das damals eine gängige Methode war, um die eigene Anhängerschaft zu mehren. Dann verteilten die Mächtigen gönnerhaft Lekkerlis unter ihren Mannen, zum Beispiel indem er sie die größten Speichellecker beförderten.

Außerdem fand man sich regelmäßig zum gegenseitigen Lausen auf den Dschungel-Meetings ein. Dieser Kult um die Macht, in dem sich die Herrscher der Primaten-Dynastien zu sonnen pflegten, sollte später maßgeblich die höfische Etikette prägen. Er dient bis heute vor allem einem Zweck: Der Befriedigung der Bedürfnisse des Oberaffen.

Ein Platz an der Sonne
Aber warum machen sich denn nun die Rangniedrigeren so zum Affen, wenn sie einem zähnefletschenden, schnatternden und trommelnden Narzissten gegenüber stehen? Nun, die Geborgenheit im Rudel war für das Überleben im Dschungel auf Dauer einfach zuträglicher. Und wenn man sich schon nicht erfolgreich gegen den Chef durchsetzen konnte, wollte man wenigstens in seinem Strahlenkranz glänzen.

Schutz, Sicherheit und... Liebe?

Außerdem erhoffte man sich im Gegenzug für die Unterwerfung ein Palmendach über dem Kopf, Schutz, Sicherheit und so etwas ähnliches wie Liebe. Und noch ein wenig später, also ungefähr damals, als die ersten Affen anfingen, über das Leben nachzudenken, kam dann noch ein Bedürfnis dazu: Die Suche nach dem Sinn des Lebens und nach Antworten auf die größte aller Fragen. Zum Beispiel: "Was passiert eigentlich mit mir nach dem Tod?" Von da an hatte natürlich immer der den Joker, der eine halbwegs plausible Antwort darauf parat hatte.

Gott ist ein Narziss - ein Exkurs in die Geschichte

PharaoFrüher, also zum Beispiel damals im alten Ägypten zum Beispiel, war der Pharao der oberste Narziss. Der Pharao war weltlicher Herrscher und Gott gleichzeitig. Damals war alles noch recht einfach. Insubordination war nämlich damals schlicht tödlich. Deswegen gab es damals auch noch keine Kritiker. Bereits der leiseste Verdacht auf einen Hauch von Meinungsverschiedenheit rief die Schergen des Narzissten auf den Plan. Deren Auftrag war unmissverständlich: Schaffe dem Gottkaiser eventuelle Mitbewerber um die Macht vom Hals. Eine bis zum heutigen Tage sehr bewährte Methode.

Kaiser und Papst

Ein wenig später, also ungefähr im Mittelalter, wurde es bereits sehr viel komplizierter, weil sowohl Kaiser als auch Papst um das Amt des obersten Narzissten konkurrierten. Und heute ist das globale Hauen und Stechen zwischen den eitlen Tröpfen, welche die Geschicke unserer Welt lenken, beinahe unüberschaubar. Denn das erklärte Ziel des Narzissten ist ja nicht etwa, nur ein wenig vom süßen Nektar der Macht zu naschen. Nein – er will den Olymp erklimmen und sich in der Hall of Fame verewigen. Und das nach Möglichkeit ganz oben im Highscore.

Macht und Ohnmacht

Macht übt auf den Narzissten ohnehin eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus. Aber Macht ist bedauerlicherweise so ein zartes, zerbrechliches Ding und eher selten von Dauer. Wer Macht hat, muss immer auch Angst vor dem haben, was beinahe zwangsläufig darauf folgt: der Ohnmacht. Das wirkliche Leben ist nun einmal nichts für Feiglinge. Gehen wir zunächst noch einmal ein wenig weiter zurück in der Geschichte der Menschheit. Genau genommen in jene Zeit, ganz kurz bevor es Ruhmeshallen gab und das Geschichtsbuch erfunden wurde. Damals herrschte auf der Erde noch das Ape-Management. Das war sozusagen der Vorläufer des Impressions-Management. Denn damit hat eigentlich alles begonnen...

AlphatierDer Narziss und seine Strategien

Der Narziss ist ein Alpha-Tierchen. So viel zur Theorie. In der Praxis kann der Narziss bedauerlicherweise meistens bestenfalls mit Gamma- oder Delta-Qualitäten aufwarten. Deswegen entwickelte er im Laufe der Evolution verschiedene Überlebens-Strategien. Diese dienen ihm vor allem dazu, die objektiv doch ziemlich gravierenden Diskrepanzen zwischen dem, was er ist, und dem, was er gerne wäre, möglichst elegant und effizient zu vertuschen. Eine davon ist zum Beispiel das Impressions-Management:

So geht Impressions-Management

Irgendwann im Laufe der Geschichte erkannte der Narziss, dass er das, was er (noch) nicht erreicht hat, auch durch geeignete Statussymbole ersetzen kann. Reichtum und Erfolg zum Beispiel durch ein großes Auto oder dicke Brillantringe. Macht und Ansehen durch wichtige Ämter, Funktionen und Name dropping. Bildung und Kultiviertheit durch wohlklingende akademische oder aristokratische Titel. Oft genügt es zum Beispiel schon, einen Titelträger zu ehelichen, um fortan als „Frau Doktor“ geadelt zu werden. Und wenn Adel adoptiert, um das blaue Blut mit Geld anzureichern, ist die Mesalliance ohnehin perfekt.

Image ist alles

Kurzum - jedem Ding (und jedem Menschen), mit dem sich der Narziss umgibt, wohnt eine Botschaft für Außenstehende inne: Ein Porträt der ehrwürdigen Ahnen, ein paar Antiquitäten, natürlich alles Erbstücke der noblen Verwandtschaft. Souvenirs einer privilegierten Kindheit machen die Außenwirkung perfekt. Diese im eigenen Umfeld sorgsam ausgestellten Artefakte sprechen allesamt eine klare Sprache: sie vermitteln jedem Betrachter einen Eindruck davon, welchen bedeutenden Rang der Narziss innerhalb der Gesellschaft innehat. Er hat einfach von Natur aus das dringende Bedürfnis, seine Bedeutung für diese Welt konkret zu manifestieren - am besten in Form von Palästen mit goldenen Wasserhähnen. Manchmal aber auch in Form einer etwas bodenständigeren Version davon. Weil sich goldene Wasserhähne in einem gewissen Kontext so schlecht massenwirksam verargumentieren lassen. Zum Beispiel dann, wenn man in der Gewerkschaft, einer sozialistischen Partei oder der katholischen Kirche Karriere machen möchte. Aber das sind ja ohnehin aussterbende Arten.

Raus aus dem Rampenlicht = Ende der Vorstellung
Das Dumme daran ist nur, dass der Narziss durch diesen Mummenschanz seinem Ideal kein bisschen näher kommt. Die grauenvolle Vorstellung, dass jene Menschen, die ihm eigentlich in einer lichtdurchfluteten Prunkvilla ehrfurchtsvoll die Hand schütteln sollten, ihn in einer Drei-Zimmer-Mietwohnung für einen ganz gewöhnlichen Menschen halten könnten, verlässt
ihn niemals ganz. Besonders dann nicht, wenn er tatsächlich in einer Drei-Zimmer-Mietwohnung lebt.

Zudem funktioniert der Trick leider nur, solange der Narziss

  1. eine Bühne hat, auf der er die Insignien seiner (ersehnten) Größe zur Schau zu stellen kann und

  2. genug Menschen findet, welche diese ostentativ zur Schau gestellten Symbole der Macht, des Reichtums etc. mit der gebotenen Aufmerksamkeit goutieren und ihm das geben, was er so dringend benötigt, nämlich Anerkennung.

Mit anderen Worten: Ist er raus aus dem Rampenlicht, dann bedeutet das für ihn das Ende der Vorstellung. Und damit bröckelt dann auch das köstliche Gefühl des Selbstwerts jäh den Abgrund hinunter...

EvolutionEin Relikt aus der Steinzeit

Es ist genau genommen meistens ziemlich einfach, einen echten Narziss zu erkennen: Er tut sich durch eine Selbstdarstellung hervor, die man schlicht nur als absolut grandios bezeichnen kann. Er tarnt damit mehr oder weniger geschickt seine innere Zerrissenheit (auch vor sich selbst). Denn in Wirklichkeit fühlt er sich (irgendwo ganz innen drin) winzig klein und ziemlich wertlos. Genau genommen ganz furchtbar schrecklich wertlos. Was er aber, wäre er sich dessen bewusst, nie im Leben zugeben würde. Am allerwenigsten vor sich selbst. Und manchmal zeigt er uns eben auch seine andere Seite: Er verwandelt sich in ein vom Leben gebeuteltes und überaus benachteiligtes Wesen. Eine überaus bemitleidenswerte Kreatur, die nach Liebe und Aufmerksamkeit dürstet. Zuwendung wird immer gerne entgegen genommen. Vor allem materielle.

Seine Bedürftigkeit ist echt - und unstillbar...

Er ist dabei in seiner übergroßen Bedürftigkeit mitunter so anrührend, dass ihm keine wirklich gute Seele das Mitgefühl ernsthaft versagen kann, ohne dass sich sogleich ihr schlechtes Gewissen zu Wort meldet. Und er wirkt dabei sehr überzeugend. Vor allem deswegen, weil seine Bedürftigkeit echt ist. Echt und unstillbar.

Evolutionär betrachtet ist der Narziss ein Relikt aus der Steinzeit und meistens verhält er sich auch so. Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Ausprägungen des Narzissten sind dabei ungefähr so relevant wie die zwischen einem Cro-Magnon-Menschen und dem Neandertaler. Der Narziss ist sozusagen eine Cuvée aus beiden Gattungen. Durch und durch darwinistisch, absolut resistent gegenüber den Widrigkeiten der Natur und extrem zählebig. Er würde in jedem Dschungel überleben. Jeden von uns.

Der Narziss - ein Alpha-Tierchen
Der Narziss ist ein Alpha-Tierchen. Er duldet niemanden neben sich. Absolut niemanden. Beta, Gamma, Delta bis hin zu Omega, also alle anderen, schart er nur deswegen gerne um sich, weil sie seine Macht mehren. Wer seinen Alpha-Status in Frage stellt, wirft den Fehde-Handschuh und wird fortan auf der Blacklist des Narzissten geführt. Auf dieser schwarzen Liste landen in der ziemlich simpel gestrickten Gut-Böse-Welt des Narzissten

  • seine Kritiker,

  • seine potenziellen Kritiker,

  • alle, die mächtiger oder reicher sind sowie

  • all jene, die seine Wege kreuzen und sich nicht unterwerfen.

Das gilt zum Beispiel in besonderer Weise auch für sämtliche Ex-Partner, da diese sehr wahrscheinlich zu mindestens einer der oben genannten Kategorien zählen. Ob geschäftlich oder privat, ist dabei für den Narzissten kaum von Belang, da er zwischenmenschliche Beziehungen ohnehin ausschließlich unter pragmatischen Aspekten betrachtet.

NarzissWer ist eigentlich der Narziss?

Im Grunde sind wir Menschen nur in einen Punkt gleich, nämlich darin, dass wir alle gerne irgendwie besonders wären. Einfach anders als die anderen eben. Leider gibt es nur sehr wenige Menschen, die tatsächlich besonders sind. Und die sind vor allem deswegen besonders, weil sie im Gegensatz zu den Normalsterblichen felsenfest davon überzeugt sind, dass sie tatsächlich sehr besonders sind. Um nicht zu sagen: Ganz außergewöhnlich besonders und vor allem so einzigartig. Deswegen bereitet es diesen Menschen auch außergewöhnlich großes Unbehagen, im Plural abgehandelt zu werden. Sollten Sie sich betroffen fühlen, so seien Sie versichert: Es handelt sich dabei stets um den Pluralis Majestatis. Sie dürfen sich also ruhig ganz persönlich angesprochen fühlen.

Wer ist er aber denn nun, der Narziss?
Hierbei handelt es sich um eine Frage, die man natürlich auf gar keinen Fall in einem kurzen Rundumschlag abhandeln kann. Schon deswegen nicht, weil uns der Narziss in so vielen Facetten begegnet wie kaum eine andere Spezies der Gattung Mensch. Viele von ihnen sind beispielsweise gesellschaftlich sehr anerkannt und werden hoch geschätzt. Vor allem deswegen, weil sie reich, berühmt, wichtig und mächtig sind. Weniger deswegen, weil sie besonders freundlich oder einfühlsam wären. Aber beileibe nicht alle Narzissten sind aalglatte Blender, eiskalt berechnende Macher, karrieregeile Ekelpakete, raffgierig und nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht, wie so häufig leichtfertig behauptet wird. Es gibt nämlich auch eine Subkategorie, die sich durch besonders aufopferungsvolle Zuwendung hervor tut. Frei nach dem Motto: Ich helfe der Omi über die Straße. Auch dann, wenn sie vielleicht lieber gemütlich in ihrem Rollstuhl sitzen bleiben möchte.

Der Wolf ...
Aber doch ja - es gibt gewisse gemeinsame Merkmale, die bei allen Narzissten gleichermaßen  anzutreffen sind: Man erkennt sie  für gewöhnlich an ihrem hungrigen Blick, der stets suchend umherschweift. In ihren Augen blitzt nicht einmal sehr verstohlen, sondern ziemlich unverholen die Gier der Jäger. Sie nehmen Witterung auf, scharren unruhig mit den Pfoten. Sie lauern ihrer Beute auf und umkreisen sie – allzeit bereit zum Sprung…

Wolf im Schafspelz...im Schafspelz

Aber das ist bei weitem nicht alles, denn natürlich hat so ein waschechter Narziss immer noch ein paar Register mehr in seinem  Repertoire: Es gibt ihn nämlich auch in der Version des Wolfes im Schafspelz. Keiner mimt besser das hilflose Opfer. Niemand blinkert Dich so überzeugend mit großen, unschuldsvollen Augen an und bettelt flehentlich um Zuwendung. Und damit sind wir eigentlich schon mitten drin in unserer Abhandlung über das widersprüchlichste, zugleich aber auch simpelste aller menschenähnlichen Geschöpfe auf Erden. Das liegt vor allem daran, dass der Narziss einfach überirdisch ist. Oder unterirdisch. Je nach Standpunkt.