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Süchtig nach Symbolen

Der Narziss ist gewissermaßen süchtig nach Symbolen, die seinem Ego Bedeutung verleihen. Diese Surrogate stehen dabei in direkter Relation zur eigentlichen Tristesse seines Daseins. Mit anderen Worten: Ein Narziss ohne Bühne und Requisiten ist im Grunde seines Herzens ein bemitleidenswertes Wesen. Er wird nur deswegen von niemandem ernsthaft bedauert, weil er
in diesem Zustand einfach besonders unausstehlich ist.

Glück kann man kaufen
Glück kann man glücklicherweise auch kaufen. Zum Beispiel in Form der gerade angesagten Styles und Statussymbole. Und wenn man in der Hall of Fame in die Top Ten der Narzissten aufgestiegen ist, definiert man einfach selbst, was die gerade angesagten Styles und Statussymbole sind. Damit lässt sich mühelos ein überzeugender Ego-Avatar generieren und immer wieder neu aufpäppeln.

Das wichtigste Messinstrument: die Beliebtheitsskala

Während der fortgeschrittene Narziss gerne seinen eigenen Style kreiert, um sich als Stilikone feiern zu lassen, neigt der Nachwuchs-Narziss eher dazu, seine Idole zu imitieren. Damit ist er auf jeden Fall auf der sicheren Seite und kann dem ganzen Rest der Menschheit demonstrieren, dass er ebenfalls dazu gehört. Denn „in“ sein heißt auch beliebt sein und die Beliebtheitsskala ist nun einmal eines der wichtigsten Messinstrumente des Narzissten. Je höher man darauf klettert, desto mehr Anerkennung und Aufwertung sind einem gewiss. Die eigene Identität hinter der coolen Fassade ist dann eigentlich gar nicht mehr so wichtig. Hauptsache die Message kommt rüber und die lautet:

Ich bin eine megacoole Rampensau und hab‘ alles unter Kontrolle!

Zu den Symbolen, mit denen der Narziss sich umgibt, gehören übrigens auch Menschen - die Statisten auf der Bühne seines Lebens. Ohne seine Symbole, ohne Labels und Luxus und natürlich auch das nötige Kleingeld, um immer neuen Symbol-Nachschub zu beschaffen, und vor allem ohne eine Bühne, auf der er all das auch präsentieren kann, ist der Narziss einfach
ein...

...Nichts.

Zwischen Drama und Banalität

Der Narziss setzt die Maßstäbe, an denen sich alle anderen messen lassen müssen. Zumindest für die mitunter recht kurze Lebensdauer der von ihm gesetzten Normen.

Reine Glaubenssache

In die verknoteten Gehirnwindungen eines Narzissten kann sich ohnehin beim besten Willen keiner hinein denken. Die Logik seiner Regeln ist so verquer wie er selbst und erschließt sich daher auch niemandem und vor allem nicht den Normalsterblichen. Am wenigsten übrigens ihm selbst. Aber schließlich ist es für ihn auch vollkommen ausreichend, wenn alle anderen nach seiner Pfeife tanzen.

SchafherdeDie Unebenheiten der Realität
Es haben sich ja zu allen Zeiten genügend fromme Lämmer gefunden, die dem Narzissten brav auf die Schlachtbank gefolgt sind. Denn während es die einen nach Macht und Anerkennung gelüstete, gierten die anderen nach Unterwerfung und Schutz, nach Sicherheit und Geborgenheit, nach der heilen Welt und dem Sinn des Lebens. Und wer könnte den wohl besser erklären als ein Narziss, der ja sein ganzes Leben damit zubringt, die Unebenheiten der Realität ein wenig zu glätten.

Zwischen Sinn und Wahnsinn

Es ist also kein Wunder, dass gerade bei den großen Mythen der Menschheit der Grat zwischen Sinn und Wahnsinn recht schmal ist und die Heilsphantasien mitunter ins pathologische abdriften. Schwarz oder weiß, dafür oder dagegen - das ist die kleine Welt der Religionen, der Politik und des Narzissten. Dem ist allerdings rein gar nichts heilig – außer natürlich er selbst und bestenfalls vielleicht noch seine Ich-Erweiterungen.

Es liegt nun einmal in der Natur von Insignien der Macht und anderen Statussymbolen, dass sie den Status nur dann nach außen sichtbar machen, wenn sie auch gesehen werden. Während gewöhnliche Sterbliche Anzug und Perlenkette zu Hause gerne ablegen, verschmilzt der Narziss so stark mit den Dingen, die ihm in der Außenwelt Geltung verschaffen, dass er in einer Woge von Banalität zu ertrinken droht, wenn ihm seine Fassade abhanden kommt.

Göttliche Gebote und die moralische Mission des Narzissten

Der Narziss verstand es zu allen Zeiten wie kein anderer, seinen Wunsch nach Geltung und Anerkennung, nach Macht und Wichtigkeit in das Gewand einer durch und durch moralischen Mission zu kleiden. Zum Beispiel, indem er für „soziale Gerechtigkeit“ oder am besten gleich für eine „bessere Welt“ kämpft.

Die moralische Mission

Er rettet die Welt und das tut er natürlich nicht etwa für sich, sondern für die Menschheit. Der Narziss findet immer einen guten Grund, Gutes zu tun. Jedoch, wie es der Teufel will, kommt ihm das stets auf wunderbare Weise auch selbst zu Gute. Keiner befolgt so wortgetreu die alte lateinische Rechtsformel für gegenseitige Verträge „do ut des“ - ich gebe, damit du gibst. Das ist seine Maxime und gleichzeitig der Schlüssel zu seinem Sozialverhalten. Er gibt wirklich nur aus einem Grund, nämlich damit ihm gegeben wird. Am besten mehr, als er gegeben hat. Und genau das was er haben möchte. Und er wird einen unweigerlich daran erinnern, dass er gegeben hat und dass nun Du am Zuge bist.

Er gibt auch, damit er anschließend alle Welt dazu auffordern kann, es ihm gleich zu tun: Nun gebt auch ihr (mir, was ich brauche), damit euch gegeben wird!

GeboteGöttliche Gebote
Der Narziss liebt Regeln. Aber nur solche, die er selbst erlassen hat. Und solche, die anderen ein für alle Mal klar machen, wie er von ihnen behandelt werden möchte. Regeln, die er nicht selbst gemacht hat, sind Schall und Rauch. Außer natürlich, er verspricht sich selbst einen Vorteil davon. Dann wird er nicht scheuen, sie auf der Stelle einzuklagen. Er liebt nämlich auch all jene Regeln, die ihm in irgendeiner Weise nützen.

Die Gottähnlichkeit des Narzissten

Aufgrund seiner Gottähnlichkeit, die ja ganz zwangsläufig aus seiner besonderen Nähe zu Gott (der, wenn es ihn nicht schon geben würde, sofort von ihm persönlich erfunden werden würde) resultiert, ist er felsenfest von seinem moralischen Anspruch überzeugt, Regeln aufstellen und notfalls auch mit Gewalt durchsetzen zu dürfen. Dürfen? Nein, er muss es sogar tun! Und er und nur er darf andere strafen, wenn die sich nicht an diese Regeln halten.

Der Narziss ist nicht maßlos. Er fordert nur das ein, was ihm zusteht. Und er ist sehr überzeugend darin, so zu tun, als habe er (oder Gott?) einen wohl begründeten Anspruch auf die Erfüllung seine Forderungen. Von seiner hohen moralischen Warte aus betrachtet, hat er den natürlich auch. Seine Warte ist allerdings für die meisten anderen Lebewesen einfach zu hoch, um noch geistig oder sonst irgendwie erfasst zu werden.

Und was gerade an Moral angesagt ist, das definiert sowieso der Narziss.

Religion und andere Pandemien

Der Einsatz von brachialer Gewalt im Allgemeinen und von Macheten im Speziellen stößt heute nur noch in wenigen Regionen der Welt auf gesellschaftliche Akzeptanz. Daher bedient sich der Narziss der allgemein üblichen Methoden zur Maßregelung von Häretikern und Abtrünnigen. Wer Wind sät und es wagt, ihn, den großartigen Leader in Frage zu stellen, wird Sturm ernten: Spott, Zynismus, Häme, Kritik und Abwertung.

Wer nicht für mich ist, ist gegen mich

So hart er im Austeilen ist, so empfindlich reagiert er jedoch selbst auf die Kritik anderer, getreu seinem so einfachen wie brachialen Lebensmotto:

"Wer nicht für mich ist, ist gegen mich!"

Wer ihm den Platz in der ersten Reihe streitig macht, gehört nun einmal nicht zu seinen Freunden. Mal ganz abgesehen davon, dass auch diese Vokabel in seinem Wortschatz sowieso nicht existiert und wenn dann bestenfalls als Kampfbegriff.

Albrecht Dürer Betende HändeReligion und andere Pandemien
Der Narziss ist ein Relikt aus der Urzeit. Somit ist natürlich auch sein Sinn für Humor recht archaisch und die ursprünglichste Form von Humor ist nun einmal die Schadenfreude. Lustig ist, wenn es andere böse erwischt und nicht mich selbst. Davon zeugt noch heute Volkes Stimme in den ländlichen Regionen im Norden Bayerns. Dort gibt es ein über Jahrhunderte hinweg bewährtes Stoßgebet, das angesichts eines herannahenden Gewitters inbrünstig ausgesprochen wird:

 "Heiliger Sankt Florian, verschon' mein Haus, zünd' andere an!"


Vom Nutzen der Frömmigkeit
Die Frömmigkeit, die diesem Gewittergebet innewohnt, lässt man sich am besten genüsslich auf der Zunge zergehen. Wenn wir uns dann aber noch die eigentliche Bedeutung des Wortes „Frömmigkeit“ vornehmen, wird es zunehmend heiter: Frömmigkeit leitet sich ab vom althochdeutschen „fruma“, was so viel bedeutet wie „Vorteil“ oder „Nutzen“. Frömmigkeit ist also genau genommen Verhalten, das in einem gewissen Kontext nützlich erscheint.

Das Befolgen von Regeln der jeweils geltenden Religion zum Beispiel erschien vielen Menschen zu gewissen Zeiten aus recht naheliegenden Gründen nützlich. Den einen sicherte es schlicht das Überleben, den anderen das Erklimmen der Karriereleiter. Sinnfragen galten damals als ziemlich töricht, weil sie meistens tödlich endeten. 

Insignien der MachtUnverrückbare Naturgesetze und die Insignien der Macht

Andere Menschen werden für den Narzissten überhaupt erst zu beachtenswerten Kreaturen durch offen zur Schau gestellte Insignien der Macht wie zum Beispiel goldene Uhren oder Perlenketten. Das ist ziemlich einfach. Man muss also nur diplomatisch vorgehen und jede Menge Eindruck schinden. Es macht das Zusammenleben mit Narzissten deutlich einfacher. Jedenfalls kurzfristig. Trotz führt lediglich dazu, dass man auch weiterhin schlicht und konsequent übersehen wird.

Will man vom Narziss beachtet werden, so kommt man nicht umhin, Dinge zu tun, die ihn glücklicher machen. Warum also herum zicken, wenn es nur ein kurzes, vernehmliches Perlenkettenrasseln kostet? Wenn Sie sich beharrlich weigern, ihn angemessen zu beeindrucken, haben Sie doch ohnehin schon verloren und riskieren dazu auch noch den Abstieg in der Hierarchie des Affenrudels und die vernichtende Abqualifizierung in den Rang eines Normalsterblichen.

Offene Ehrfurcht angesichts ostentativ zur Schau gestellter Insignien der Macht zeigen allerdings nur Schwächlinge. Der Narziss mimt bestenfalls edle Generosität und findet alles grandios. Jedoch mit einem Unterton, der sofort durchblicken lässt, dass Sie maßlos übertreiben und damit wiederum dem Vulgären bedenklich nahe rücken.

Unverrückbare Naturgesetze
Ein Narziss hat Ihnen Beachtung geschenkt? Das ist bereits mehr, als Sie in diesem Leben erwarten können und sehr wahrscheinlich nicht von Vorteil für Sie. Es sei denn natürlich, Sie sind gewillt, sich ihm vorbehaltlos zu unterwerfen. Erwarten Sie jedoch niemals Anerkennung oder Wertschätzung, denn so viel Zuwendung ist ganz alleine dem Narzissten selbst vorbehalten.

Nur ihm gebührt der Platz in der ersten Reihe. Ihm oder bestenfalls noch seinen Ich-Erweiterungen. Das ist ein Naturgesetz und er wird es mit der Machete verteidigen und Ihnen jederzeit mehr als deutlich zu verstehen geben, dass Sie sich gefälligst hinten anzustellen haben.

DschungelÜberleben im Dschungel

Der Narziss folgt auch hier einer außerst prosaischen Logik: Gib ihm Macht und er wird sie missbrauchen. Romantisches Gedankengut wie Idealismus kommt in seiner überaus pragmatischen Vorstellungswelt nicht vor. Höchstens vielleicht als Kampfbegriff. Wenn er es im Rahmen seiner Strategie für sinnvoll erachtet, kann er natürlich absolut überzeugend so tun, als ob er ein großer Idealist wäre. Aber wenn er erst einmal an der Macht ist, tut er nicht einmal mehr so als ob.

Gib dem Narzissten Macht und er wird sie missbrauchen

Der Narziss selbst findet das irgendwie ehrlicher. Das ist es ja in gewisser Weise auch. Denn für ihn ist es tatsächlich ganz und gar nicht nachvollziehbar, dass andere eventuell nicht so Nutzenorientiert denken könnten wie er selbst. Es ist aber nun nicht etwa so, dass der Narziss den Glauben an das Gute verloren hätte. Er hat ihn nur noch nie besessen. „Gut“ ist für ihn einfach nur ein anderes Wort für „Nutzen“. Was auch daran liegt, dass er abstrakte Dinge grundsätzlich nicht leiden kann. Liebe zum Beispiel. Wo ist denn da bitte der unmittelbare Nutzen?

Und der Rest der Menschheit ist im Grunde sowieso ganz überwiegend damit beschäftigt, nicht unter die Räder zu kommen. Er tendiert daher meistens eher zur Konservierung der bestehenden Verhältnisse. Schon deswegen, weil er ganz große Angst davor hat, dass dem Narzissten etwas Neues einfallen könnte. Sofern er nicht naiv genug ist, noch daran zu glauben, dass es die da oben in seinem Sinne richten werden.

Überleben im Dschungel
MogliEs wäre jetzt ziemlich gemein und nur allzu billig, zu behaupten, dass der Narziss ein direkter Nachfahre des Affen sei. Das ist natürlich nicht der Fall. Es ist nur so, dass er im Säuglingsalter entweder mit Affenliebe erstickt wurde oder aber einsam wie Mogli im Dschungel der Zivilisation herangewachsen ist. Er hat infolgedessen genau genommen einfach nur ein paar Entwicklungsschritte verpasst. Ein paar zugegeben nicht ganz unwesentliche.

Zum Beispiel die Lektion, wie zwischenmenschliche Beziehungen funktionieren. Deswegen greift er in unklaren Situationen auf Informationen zurück, die in ihrem Reptiliengehirn abgespeichert sind. Für den Narzissten sind ja gewissermaßen alle Situationen irgendwie unklar. Insbesondere wenn andere Menschen beteiligt sind. Wenn man das verstanden hat, ist es im Grunde ziemlich einfach, mit dem Narzissten umzugehen. Man muss nur die Grundzüge des Ape-Management beherrschen.

PapstKatholischer als der Papst

Jene Narzissten, welche die Macht in Händen halten, sind eigentlich immer konservativ. Das liegt in der Natur der Sache, denn sie wollen das System ja erhalten. Alle anderen Narzissten, also jene, die zu diesem Zeitpunkt nicht an der Macht sind, sind dagegen beinnahe immer progressiv. Sie hängen jedoch, was ebenfalls in der Natur der Sache liegt, der festen Überzeugung an, dass ihnen die Macht, welche die anderen in Händen halten, unter allen Umständen ihnen selbst zusteht.

Hierarchie und Anarchie

Die Konservativen befürworten strikte Hierarchien, weil diese ihnen helfen, das System zu zementieren. Die Progressiven dagegen wittern jedes Mal Morgenluft, wenn sich eine Bewegung (welche auch immer) als mächtig genug erweist, das System zu sprengen. Sie kapern daher jeden fahrenden Zug und setzen sich an dessen Spitze. Gerade so als ob sie von der ersten Stunde an dabei gewesen wären. Sie nutzen die Gunst der Stunde, um sich selbst in
Amt und Würden zu katapultieren. Die Verschlimmbesserungen, die unter dem Strich dabei heraus kommen, sind allerdings für den Rest der Menschheit nicht selten noch ärger, als alles, was man bis dahin erlebt hat.

Vom Saulus zum Paulus
Wenn der Narziss dann schließlich an die Macht gelangt ist, ganz gleich ob mit oder gegen den Strom, ist für ihn letztlich nur noch eine Frage von Interesse: Wie wird er selbst in Amt und Würden mit solchen unbequemen Außenseitern fertig wie er früher selber einer war?

Der Wärmetod

Heute ist es eher verpönt, politische Gegner oder Kritiker einfach hinterrücks zu meucheln. Daher hat sich im Lauf der Geschichte immer mehr der so genannte Wärmetod, auch als "Tod durch Umarmung" bekannt, sehr bewährt: Der Narziss gewährt seinen Feinden generös Einlass in sein Heiligtum und macht sie im Handumdrehen zu Konvertiten. Wenn sie ehrgeizig sind, mutieren sie innerhalb kürzester Zeit vom Saulus zum Paulus und werden schließlich katholischer als der Papst.

Revolutionäre, Rebellen und sonstige Randgruppen

Sie fragen sich jetzt sicher: Aber warum hat denn das keiner bemerkt, dass der Narziss psychologisch gesehen immer noch auf der Entwicklungs-Stufe eines Steinzeit-Menschen herumdümpelt? Es muss doch unter all den klugen Köpfen auf dieser Welt auch ein paar gegeben haben, die das gemerkt und etwas dagegen unternommen haben! Nun, auch das hat natürlich gute Gründe: Dass es in Bezug auf Narzissten so viele Missverständnisse gibt, liegt unter anderem daran, dass sie heutzutage nicht mehr aussehen wie Primaten. Ganz im Gegenteil.

Die Fassade der Zivilisation

Sie sehen meist sogar überaus adrett aus, sie verhalten sich recht manierlich und tun ziemlich zivilisiert. Und natürlich hat es auch jemand bemerkt. Es gab ja im Laufe der Geschichte auch immer wieder mal Bewegungen und Revolutionen oder Geheimbünde und zahlreiche Gutmenschen, die die Welt ändern wollten. Gelegentlich auch mit Gewalt. Die Welt ist nun einmal insgesamt ziemlich unvollkommen. Also finden sich auch immer irgendwelche Menschen, die dagegen sind.

RebellenRevolutionäre, Rebellen und sonstige Randgruppen
Wir sollten nicht vergessen, dass den Narzissten, so unterschiedlich sie auch in Erscheinung treten mögen, doch allen ein Wesenszug gemeinsam ist: Sie ringen fortwährend um Anerkennung. Die Angepassten unter ihnen nach der Anerkennung derer, die gerade mächtig und wichtig sind. Die Trotzigen nach der Anerkennung von Revolutionären, Rebellen und sonstigen aufmümpfigen Randgruppen. Trifft es sich da nicht ganz besonders nett, wenn diese sich dann auch noch Trotzkisten nennen?

Trotzige Narzissten jedenfalls widersetzen sich grundsätzlich allem, was auch nur im Entferntesten im Ruch der allgemein anerkannten Autorität steht, also dem gesamten Establishment und überhaupt allen Anzug- und Perlenkettenträgern. Sie sympathisieren dafür umso wahlloser mit sämtlichen gesellschaftlichen Gegenbewegungen und allen Unterdrückten, Erniedrigten oder Beleidigten.

Rudel, Hackordnung, SchafeDie Anfänge von Politik und Staatswesen

Wir Menschen tun ja im Allgemeinen gerne so, als ob der Homo sapiens höher entwickelt wäre als seine Primaten-Verwandten und überhaupt als all die anderen Säuger. Das ist allerdings nicht der Fall. Denn alles, was tatsächlich etwas komplexer geworden ist, ist das wirkliche Leben da draußen. Der Mensch selbst eigentlich eher nicht.

Die Guten und die Bösen

Damals war die Welt jedenfalls noch ziemlich einfach: Die, die zum Rudel gehörten, waren aus Sicht des Rudelchefs die Guten und die anderen, also die sich nicht zum Affen machen ließen oder nicht dazu gehörten, warum auch immer, das waren die Bösen. Schon weil jedes Rudel aus irgendeinem unerfindlichen Grund immer glaubt, dass es das Beste aller Rudel sei. Das kann für das gegnerische Rudel mitunter recht gefährlich werden. Zum Beispiel dann, wenn das Rudel unzufrieden ist. Dann muss der Führer das allgemeine Murren irgendwie beruhigen und seine Unzulänglichkeiten anderweitig kompensieren.

Böse sind immer die anderen

Es ist also nur logisch, dass er dann behauptet, die anderen seien böse. Wenn das Rudel - und das sind naturgemäß viele - dann ebenfalls zur Auffassung gelangt, die anderen seien böse, dann sind die anderen eben auch böse. So einfach war früher die Logik. Und wenn das andere Rudel dann immer noch nicht klein beigibt, haben wir ein diplomatisches Problem.

Wir lernen daraus, dass das Feindbild eine sehr praktische Erfindung ist, denn es schart die ängstlichen Primaten um das Zentrum der Macht. Außerdem braucht der Narziss stets Sündenböcke, um seine eigene Unzulänglichkeit zu kaschieren und das Rudel für seine Bedürfnisse zu mobilisieren. Und weil komplexe Dinge für ihn einfach zu hoch sind, begnügt er sich eben gerne mit simplen Erklärungen.

Rituale der Macht
Es ist also kompletter Nonsens, wenn heute immer noch behauptet wird, die Staaten hätten sich erst mit der Antike herausgebildet. Nein, auch die Primaten hatten bereits eine ziemlich komplexe Politik. Genau genommen ist es dabei im Wesentlichen bis heute geblieben, weil ein mehr an Komplexität dem archaisch gestrickten Gehirn des Narzissten einfach nicht zuzumuten ist.

Auch an den Ritualen der Macht hat sich im Prinzip wenig geändert. Das große Tabu kaschiert immer noch die hässlichen kleinen Machtspielchen hinter den Kulissen der Zivilisation. Im Zentrum der Macht herrscht zwar Tohuwabohu, aber egal. Hauptsache, die Fassade stimmt. Also tun wir einfach mal weiter so, als ob, weil alles andere könnte ja das System gefährden und wir haben gerade kein besseres. Was vermutlich vor allem daran liegt, dass es aus Menschen besteht.

AffeDie Grundzüge des Ape-Management

Wir sprechen hier von jener fernen Zeit, als sich der Oberaffe noch auf die Brust trommelte, die Zähne fletschte und lauthals schnatterte, um bei seiner Affenherde Eindruck zu schinden. Damals, als die Rangniedrigeren aber schon schlau genug waren, Subordination zu mimen, während sie gleichzeitig jede Gelegenheit nutzten, um am Chefsessel zu sägen. Das liegt den Alpha-Tierchen offenbar in den Genen.

Die Position im Rudel

Der Anführer bestieg die attraktivsten Weibchen, die das meist auch recht willig geschehen ließen, weil sie so ihre Position im Rudel verbessern oder festigen konnten. Die Alpha-Affen bestiegen die Weibchen, um sich möglichst oft zu reproduzieren. Schon weil das damals eine gängige Methode war, um die eigene Anhängerschaft zu mehren. Dann verteilten die Mächtigen gönnerhaft Lekkerlis unter ihren Mannen, zum Beispiel indem er sie die größten Speichellecker beförderten.

Außerdem fand man sich regelmäßig zum gegenseitigen Lausen auf den Dschungel-Meetings ein. Dieser Kult um die Macht, in dem sich die Herrscher der Primaten-Dynastien zu sonnen pflegten, sollte später maßgeblich die höfische Etikette prägen. Er dient bis heute vor allem einem Zweck: Der Befriedigung der Bedürfnisse des Oberaffen.

Ein Platz an der Sonne
Aber warum machen sich denn nun die Rangniedrigeren so zum Affen, wenn sie einem zähnefletschenden, schnatternden und trommelnden Narzissten gegenüber stehen? Nun, die Geborgenheit im Rudel war für das Überleben im Dschungel auf Dauer einfach zuträglicher. Und wenn man sich schon nicht erfolgreich gegen den Chef durchsetzen konnte, wollte man wenigstens in seinem Strahlenkranz glänzen.

Schutz, Sicherheit und... Liebe?

Außerdem erhoffte man sich im Gegenzug für die Unterwerfung ein Palmendach über dem Kopf, Schutz, Sicherheit und so etwas ähnliches wie Liebe. Und noch ein wenig später, also ungefähr damals, als die ersten Affen anfingen, über das Leben nachzudenken, kam dann noch ein Bedürfnis dazu: Die Suche nach dem Sinn des Lebens und nach Antworten auf die größte aller Fragen. Zum Beispiel: "Was passiert eigentlich mit mir nach dem Tod?" Von da an hatte natürlich immer der den Joker, der eine halbwegs plausible Antwort darauf parat hatte.

Gott ist ein Narziss - ein Exkurs in die Geschichte

PharaoFrüher, also zum Beispiel damals im alten Ägypten zum Beispiel, war der Pharao der oberste Narziss. Der Pharao war weltlicher Herrscher und Gott gleichzeitig. Damals war alles noch recht einfach. Insubordination war nämlich damals schlicht tödlich. Deswegen gab es damals auch noch keine Kritiker. Bereits der leiseste Verdacht auf einen Hauch von Meinungsverschiedenheit rief die Schergen des Narzissten auf den Plan. Deren Auftrag war unmissverständlich: Schaffe dem Gottkaiser eventuelle Mitbewerber um die Macht vom Hals. Eine bis zum heutigen Tage sehr bewährte Methode.

Kaiser und Papst

Ein wenig später, also ungefähr im Mittelalter, wurde es bereits sehr viel komplizierter, weil sowohl Kaiser als auch Papst um das Amt des obersten Narzissten konkurrierten. Und heute ist das globale Hauen und Stechen zwischen den eitlen Tröpfen, welche die Geschicke unserer Welt lenken, beinahe unüberschaubar. Denn das erklärte Ziel des Narzissten ist ja nicht etwa, nur ein wenig vom süßen Nektar der Macht zu naschen. Nein – er will den Olymp erklimmen und sich in der Hall of Fame verewigen. Und das nach Möglichkeit ganz oben im Highscore.

Macht und Ohnmacht

Macht übt auf den Narzissten ohnehin eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus. Aber Macht ist bedauerlicherweise so ein zartes, zerbrechliches Ding und eher selten von Dauer. Wer Macht hat, muss immer auch Angst vor dem haben, was beinahe zwangsläufig darauf folgt: der Ohnmacht. Das wirkliche Leben ist nun einmal nichts für Feiglinge. Gehen wir zunächst noch einmal ein wenig weiter zurück in der Geschichte der Menschheit. Genau genommen in jene Zeit, ganz kurz bevor es Ruhmeshallen gab und das Geschichtsbuch erfunden wurde. Damals herrschte auf der Erde noch das Ape-Management. Das war sozusagen der Vorläufer des Impressions-Management. Denn damit hat eigentlich alles begonnen...

AlphatierDer Narziss und seine Strategien

Der Narziss ist ein Alpha-Tierchen. So viel zur Theorie. In der Praxis kann der Narziss bedauerlicherweise meistens bestenfalls mit Gamma- oder Delta-Qualitäten aufwarten. Deswegen entwickelte er im Laufe der Evolution verschiedene Überlebens-Strategien. Diese dienen ihm vor allem dazu, die objektiv doch ziemlich gravierenden Diskrepanzen zwischen dem, was er ist, und dem, was er gerne wäre, möglichst elegant und effizient zu vertuschen. Eine davon ist zum Beispiel das Impressions-Management:

So geht Impressions-Management

Irgendwann im Laufe der Geschichte erkannte der Narziss, dass er das, was er (noch) nicht erreicht hat, auch durch geeignete Statussymbole ersetzen kann. Reichtum und Erfolg zum Beispiel durch ein großes Auto oder dicke Brillantringe. Macht und Ansehen durch wichtige Ämter, Funktionen und Name dropping. Bildung und Kultiviertheit durch wohlklingende akademische oder aristokratische Titel. Oft genügt es zum Beispiel schon, einen Titelträger zu ehelichen, um fortan als „Frau Doktor“ geadelt zu werden. Und wenn Adel adoptiert, um das blaue Blut mit Geld anzureichern, ist die Mesalliance ohnehin perfekt.

Image ist alles

Kurzum - jedem Ding (und jedem Menschen), mit dem sich der Narziss umgibt, wohnt eine Botschaft für Außenstehende inne: Ein Porträt der ehrwürdigen Ahnen, ein paar Antiquitäten, natürlich alles Erbstücke der noblen Verwandtschaft. Souvenirs einer privilegierten Kindheit machen die Außenwirkung perfekt. Diese im eigenen Umfeld sorgsam ausgestellten Artefakte sprechen allesamt eine klare Sprache: sie vermitteln jedem Betrachter einen Eindruck davon, welchen bedeutenden Rang der Narziss innerhalb der Gesellschaft innehat. Er hat einfach von Natur aus das dringende Bedürfnis, seine Bedeutung für diese Welt konkret zu manifestieren - am besten in Form von Palästen mit goldenen Wasserhähnen. Manchmal aber auch in Form einer etwas bodenständigeren Version davon. Weil sich goldene Wasserhähne in einem gewissen Kontext so schlecht massenwirksam verargumentieren lassen. Zum Beispiel dann, wenn man in der Gewerkschaft, einer sozialistischen Partei oder der katholischen Kirche Karriere machen möchte. Aber das sind ja ohnehin aussterbende Arten.

Raus aus dem Rampenlicht = Ende der Vorstellung
Das Dumme daran ist nur, dass der Narziss durch diesen Mummenschanz seinem Ideal kein bisschen näher kommt. Die grauenvolle Vorstellung, dass jene Menschen, die ihm eigentlich in einer lichtdurchfluteten Prunkvilla ehrfurchtsvoll die Hand schütteln sollten, ihn in einer Drei-Zimmer-Mietwohnung für einen ganz gewöhnlichen Menschen halten könnten, verlässt
ihn niemals ganz. Besonders dann nicht, wenn er tatsächlich in einer Drei-Zimmer-Mietwohnung lebt.

Zudem funktioniert der Trick leider nur, solange der Narziss

  1. eine Bühne hat, auf der er die Insignien seiner (ersehnten) Größe zur Schau zu stellen kann und

  2. genug Menschen findet, welche diese ostentativ zur Schau gestellten Symbole der Macht, des Reichtums etc. mit der gebotenen Aufmerksamkeit goutieren und ihm das geben, was er so dringend benötigt, nämlich Anerkennung.

Mit anderen Worten: Ist er raus aus dem Rampenlicht, dann bedeutet das für ihn das Ende der Vorstellung. Und damit bröckelt dann auch das köstliche Gefühl des Selbstwerts jäh den Abgrund hinunter...