NarzissWer ist eigentlich der Narziss?

Im Grunde sind wir Menschen nur in einen Punkt gleich, nämlich darin, dass wir alle gerne irgendwie besonders wären. Einfach anders als die anderen eben. Leider gibt es nur sehr wenige Menschen, die tatsächlich besonders sind. Und die sind vor allem deswegen besonders, weil sie im Gegensatz zu den Normalsterblichen felsenfest davon überzeugt sind, dass sie tatsächlich sehr besonders sind. Um nicht zu sagen: Ganz außergewöhnlich besonders und vor allem so einzigartig. Deswegen bereitet es diesen Menschen auch außergewöhnlich großes Unbehagen, im Plural abgehandelt zu werden. Sollten Sie sich betroffen fühlen, so seien Sie versichert: Es handelt sich dabei stets um den Pluralis Majestatis. Sie dürfen sich also ruhig ganz persönlich angesprochen fühlen.

Wer ist er aber denn nun, der Narziss?
Hierbei handelt es sich um eine Frage, die man natürlich auf gar keinen Fall in einem kurzen Rundumschlag abhandeln kann. Schon deswegen nicht, weil uns der Narziss in so vielen Facetten begegnet wie kaum eine andere Spezies der Gattung Mensch. Viele von ihnen sind beispielsweise gesellschaftlich sehr anerkannt und werden hoch geschätzt. Vor allem deswegen, weil sie reich, berühmt, wichtig und mächtig sind. Weniger deswegen, weil sie besonders freundlich oder einfühlsam wären. Aber beileibe nicht alle Narzissten sind aalglatte Blender, eiskalt berechnende Macher, karrieregeile Ekelpakete, raffgierig und nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht, wie so häufig leichtfertig behauptet wird. Es gibt nämlich auch eine Subkategorie, die sich durch besonders aufopferungsvolle Zuwendung hervor tut. Frei nach dem Motto: Ich helfe der Omi über die Straße. Auch dann, wenn sie vielleicht lieber gemütlich in ihrem Rollstuhl sitzen bleiben möchte.

Der Wolf ...
Aber doch ja - es gibt gewisse gemeinsame Merkmale, die bei allen Narzissten gleichermaßen  anzutreffen sind: Man erkennt sie  für gewöhnlich an ihrem hungrigen Blick, der stets suchend umherschweift. In ihren Augen blitzt nicht einmal sehr verstohlen, sondern ziemlich unverholen die Gier der Jäger. Sie nehmen Witterung auf, scharren unruhig mit den Pfoten. Sie lauern ihrer Beute auf und umkreisen sie – allzeit bereit zum Sprung…

Wolf im Schafspelz...im Schafspelz

Aber das ist bei weitem nicht alles, denn natürlich hat so ein waschechter Narziss immer noch ein paar Register mehr in seinem  Repertoire: Es gibt ihn nämlich auch in der Version des Wolfes im Schafspelz. Keiner mimt besser das hilflose Opfer. Niemand blinkert Dich so überzeugend mit großen, unschuldsvollen Augen an und bettelt flehentlich um Zuwendung. Und damit sind wir eigentlich schon mitten drin in unserer Abhandlung über das widersprüchlichste, zugleich aber auch simpelste aller menschenähnlichen Geschöpfe auf Erden. Das liegt vor allem daran, dass der Narziss einfach überirdisch ist. Oder unterirdisch. Je nach Standpunkt.