WitzigHumor als Mittel zur Näheverhinderung

Der Narziss hat eine ganz besondere Spielart des Humors für sich entdeckt: Den Sarkasmus. Er benutzt die Ironie sozusagen als Keule, um die Realität damit totzuschlagen. Und als Instrument zur Verhinderung von so grässlichen Dingen wie Nähe. Er gehört zu den Vertretern jener Spezies, die anderen nonchalant und sozusagen im Vorübergehen böse auf die Füße treten, um dann jovial zu fragen: "Verstehen Sie denn gar keinen Spaß?" Haha...

Für den eher abwegigen Fall, dass er sich denn doch einmal selbst auf die Schippe nehmen sollte, erwartet er selbstverständlich, dass ihm die anderen sofort widersprechen und ihm umgehend versichern, dass er im Grunde ein feiner Kerl und keineswegs so schlimm sei wie behauptet. Oder, dass sie ihn gar darum beneiden, dass er so schlimm sei wie behauptet. Weil er, neben all den anderen unbestreitbaren Vorzügen wie Esprit und Eloquenz, auch noch die bewundernswerte Fähigkeit besitzt, über sich selbst zu lachen. Haha...

Auch Humor ist also letztlich nur ein Utensil aus der Trickkiste des Narzissten. Aber was ist denn nun eigentlich das Ziel der Übung? Ach ja, richtig! Punkte sammeln. Auf seinem Payback-Konto. Damit es irgendwann Zins abwirft - in Form von narzisstischer Bedürfnisbefriedigung.

Ja, der Narziss nimmt sich selbst durchaus ernst. Sehr sogar. Auch wenn er mitunter der einzige ist, der das (noch) tut. In seiner unreflektierten Selbstbespiegelung liegt das ganze Gewicht seiner Existenz. Leichtigkeit ist ihm ein unerträglicher Verdruss. Dazu ist sein Dasein schlicht zu bedeutungsvoll. Im Übrigen ist er viel zu beschäftigt, um sich mit solch profanen Dingen abzugeben. Meistens mit sich selbst. Da bleibt einfach wenig Spielraum für Humor.

Dabei ist Humor so eine wunderbare Sache. Er macht das wirkliche Leben gleich ein wenig erträglicher. Und mit ein ganz klein wenig Selbstironie wird nicht nur das Leben erträglicher, sondern auch man selbst - für andere und natürlich auch für sich selbst.