Depression Van GoghSüchtig nach Rampenlicht

Das wirkliche Leben ist die Hölle. Es besteht im Prinzip aus Schlafen, Essen und Arbeiten, Essen, Schlafen und Arbeiten etc. In beliebiger Reihenfolge. Manche Menschen können sogar ganz ohne Arbeit auskommen.

Echte Narzissten halten diesen paradiesischen Zustand allerdings keine drei Tage am Stück aus, ohne in Depressionen zu verfallen. Daher haben sie einen kleinen, aber überaus effektiven Trick gefunden, sich die Banalität ein wenig zu versüßen. Sie haben so eine Art dramatischen Link im Kopf: Wenn das Leben allzu banal wird, biegen sie sich die Realität einfach ein wenig zurecht. Das ist fast ein bisschen wie Zaubern.

Der Drama-Link

Das Leben normaler Menschen ist ja schon entsetzlich banal, aber das Leben der Narzissten ist das, was bei Sartre hinter der Türe lauert: Das namenlose Grauen. Der Narziss erreicht das innere Gleichgewicht nur, wenn sich das Gefühl "ich bin wichtig" einstellt. Doch angesichts der Banalität des wirklichen Lebens ist dieser Zustand selten von Dauer und kommt meist nur der Funktion eines Menschen oder seinem Reichtum zu, eher selten seinem Können oder seiner Persönlichkeit.

Süchtig nach Rampenlicht

Der Narziss unterscheidet nicht zwischen Person und Funktion. Er genießt sein Dasein auf der Bühne, aber ohne Publikum und Applaus ist das Leben eben ein schales Gesöff. Ein ekeliges, zähes, hartnäckiges Ding, das an einem haftet wie ein Taubenschiss. Eine einzige immerwährende graue, eintönige, fade, öde, leere, vergebene, nichtige, tödliche Depression, unterbrochen nur vom gelegentlichen Aufflackern der Scheinwerfer.

Der Narziss ist süchtig nach Rampenlicht. Er leidet tatsächlich unter Entzug, wenn die Spots nicht auf ihn gerichtet sind. Besonders dann, wenn sich in seinem wirklichen Leben nichts, aber auch gar nichts mehr tut. Wenn ihm nicht einmal mehr die Netzgemeinde auf Facebook einen Shitstorm widmet. Ein Dasein in trister Banalität zu fristen - das ist die Hölle für einen Narzissten.