Die unerträgliche Banalität des wirklichen Lebens

Was nicht umgehend Profit abwirft, wird verworfen. Außer vielleicht, es verspricht nach einer gewissen überschaubaren Investition Profit. Und Profit ist im Kalkül des Narzissten alles, was sein Ansehen und/oder seinen Reichtum mehrt und ihm Anerkennung und Zuwendung verschafft.

Schein ist dabei definitiv mehr als Sein und er weiß auch nur solche Werte wirklich zu schätzen, die entweder einen handfesten materiellen Gegenwert besitzen oder sein Image verbessern. Echte Befriedigung verspürt der Narziss nur dann, wenn er noch erfolgreicher ist als andere. Aber auch dann nur ganz kurz. Jedenfalls zu kurz, um jemals wirklich so etwas wie Zufriedenheit zu erlangen.

Wenn Sie also irgendetwas dem guten Willen des Narzissten überlassen, wird er Sie garantiert gnadenlos über den Tisch ziehen und sei es nur wegen des Kicks. Er braucht dieses Glückskitzeln in seiner Gehirnrinde. Nur das verschafft ihm tiefe, innere Befriedigung. Zumindest für einen kurzen, glücklichen Augenblick in seinem Leben.

Genau genommen ist das Leben extrem banal. Das Faszinierendste am Leben überhaupt ist seine entsetzliche Banalität. Sie erinnern sich vielleicht dunkel an Sartres Hölle „Geschlossene Gesellschaft“. Die Geschichte beschreibt in Kürze das Dasein des Narzissten:

Es scheint, als seien die Protagonisten (drei Narzissten übrigens) auf ewig verdammt, miteinander in dieser Banalität ausharren zu müssen. Alle Türen zur Außenwelt sind verschlossen. Und die Hauptdarsteller können weder voneinander lassen, noch voreinander fliehen.

Ja, nicht einmal töten können sie sich, denn sie sind bereits tot. Und ihre Hölle, das sind die anderen. Schließlich geht eine Tür auf. Aber sie verlassen den Raum nicht. Warum? Weil sie erkannt haben, dass hinter dieser Türe etwas lauert, das noch viel schlimmer ist als die Banalität ihrer Existenz. Das wirkliche Leben.