Niccolo MachiavelliDas Kleiner-Mann-Syndrom

Im Grunde steckt in jedem von uns ein kleiner Weltverbesserer. Eigentlich wissen wir doch alle, wie es geht. Es wäre im Grunde ziemlich einfach, wenn wir nur an der Macht wären. Aber den Machiavelli haben wir schon mal drauf. Im Vergleich mit echten Narzissten sind wir jedoch ziemlich kleine Lichter. Der ist nämlich nicht nur viel wichtiger als unsereins, sondern vor allem berühmt-berüchtigt für eitle Eskapaden jenseits jeglichen guten Geschmacks.

Narzisstische Politiker
Gerade unter den Regierungsoberhäuptern dieser Welt treffen wir sehr häufig auf einen Prototyp, der schon im alten Rom von sich reden machte: Den Narzissten, der nicht nur aufgrund seiner gefühlten Minderwertigkeit nach Großem strebt, sondern weil er tatsächlich von Natur aus ein wenig zu kurz gekommen ist.

Das Phänomen ist auch als "Kleiner-Mann-Syndrom" bekannt. Hier muss jeder Zentimeter einzeln kompensiert werden. Der kleine Narziss ist erst zufrieden, wenn er unter dem Beinamen "der Große" in die Geschichte eingeht. Auch wenn das bedeutet, dass er mit
sämtlichen über Jahrhunderte hinweg verbrieften Regeln der politischen Diplomatie brechen muss. Selbst mit denen, die bis dahin von allen Oberaffen, Häuptlingen, Kaisern und Päpsten in Ausübung der höchsten politischen Funktionen strikt eingehalten wurden, um die Würde des Amtes nicht zu gefährden.

Und wir sprechen jetzt nicht davon, dass sich Politiker heutzutage die Falten auf Wahlplakaten wegretuschieren lassen, um mit über 70 immer noch einen auf jugendlicher Gigolo zu machen. Oder darüber, dass sie ihre Haare färben oder Mieder mit Popo-Push-Ups unter den auf ihre nicht vorhandene Taille geschnittenen Hosenanzügen von der Stange tragen. Das geht schließlich alles noch unter der Rubrik "eitle Macken" durch, die man für gewöhnlich unter "allzu menschlich und vollkommen harmlos" verbuchen kann. Ein bisschen narzisstisch sind wir schließlich alle.