Zwischen Drama und Banalität

Der Narziss setzt die Maßstäbe, an denen sich alle anderen messen lassen müssen. Zumindest für die mitunter recht kurze Lebensdauer der von ihm gesetzten Normen.

Reine Glaubenssache

In die verknoteten Gehirnwindungen eines Narzissten kann sich ohnehin beim besten Willen keiner hinein denken. Die Logik seiner Regeln ist so verquer wie er selbst und erschließt sich daher auch niemandem und vor allem nicht den Normalsterblichen. Am wenigsten übrigens ihm selbst. Aber schließlich ist es für ihn auch vollkommen ausreichend, wenn alle anderen nach seiner Pfeife tanzen.

SchafherdeDie Unebenheiten der Realität
Es haben sich ja zu allen Zeiten genügend fromme Lämmer gefunden, die dem Narzissten brav auf die Schlachtbank gefolgt sind. Denn während es die einen nach Macht und Anerkennung gelüstete, gierten die anderen nach Unterwerfung und Schutz, nach Sicherheit und Geborgenheit, nach der heilen Welt und dem Sinn des Lebens. Und wer könnte den wohl besser erklären als ein Narziss, der ja sein ganzes Leben damit zubringt, die Unebenheiten der Realität ein wenig zu glätten.

Zwischen Sinn und Wahnsinn

Es ist also kein Wunder, dass gerade bei den großen Mythen der Menschheit der Grat zwischen Sinn und Wahnsinn recht schmal ist und die Heilsphantasien mitunter ins pathologische abdriften. Schwarz oder weiß, dafür oder dagegen - das ist die kleine Welt der Religionen, der Politik und des Narzissten. Dem ist allerdings rein gar nichts heilig – außer natürlich er selbst und bestenfalls vielleicht noch seine Ich-Erweiterungen.

Es liegt nun einmal in der Natur von Insignien der Macht und anderen Statussymbolen, dass sie den Status nur dann nach außen sichtbar machen, wenn sie auch gesehen werden. Während gewöhnliche Sterbliche Anzug und Perlenkette zu Hause gerne ablegen, verschmilzt der Narziss so stark mit den Dingen, die ihm in der Außenwelt Geltung verschaffen, dass er in einer Woge von Banalität zu ertrinken droht, wenn ihm seine Fassade abhanden kommt.