Gib dem Narzissten Macht und er wird sie missbrauchen
Der Narziss folgt auch hier einer außerst prosaischen Logik: Gib ihm Macht und er wird sie missbrauchen. Romantisches Gedankengut wie Idealismus kommt in seiner überaus pragmatischen Vorstellungswelt nicht vor. Höchstens vielleicht als Kampfbegriff. Wenn er es im Rahmen seiner Strategie für sinnvoll erachtet, kann er natürlich absolut überzeugend so tun, als ob er ein großer Idealist wäre. Aber wenn er erst einmal an der Macht ist, tut er nicht einmal mehr so als ob.

Der Narziss selbst findet das irgendwie ehrlicher. Das ist es ja in gewisser Weise auch. Denn für ihn ist es tatsächlich ganz und gar nicht nachvollziehbar, dass andere eventuell nicht so Nutzenorientiert denken könnten wie er selbst. Es ist aber nun nicht etwa so, dass der Narziss den Glauben an das Gute verloren hätte. Er hat ihn nur noch nie besessen. „Gut“ ist für ihn einfach nur ein anderes Wort für „Nutzen“. Was auch daran liegt, dass er abstrakte Dinge grundsätzlich nicht leiden kann. Liebe zum Beispiel. Wo ist denn da bitte der unmittelbare Nutzen?

Und der Rest der Menschheit ist im Grunde sowieso ganz überwiegend damit beschäftigt, nicht unter die Räder zu kommen. Er tendiert daher meistens eher zur Konservierung der bestehenden Verhältnisse. Schon deswegen, weil er ganz große Angst davor hat, dass dem Narzissten etwas Neues einfallen könnte. Sofern er nicht naiv genug ist, noch daran zu glauben, dass es die da oben in seinem Sinne richten werden.

Überleben im Dschungel
MogliEs wäre jetzt ziemlich gemein und nur allzu billig, zu behaupten, dass der Narziss ein direkter Nachfahre des Affen sei. Das ist natürlich nicht der Fall. Es ist nur so, dass er im Säuglingsalter entweder mit Affenliebe erstickt wurde oder aber einsam wie Mogli im Dschungel der Zivilisation herangewachsen ist. Er hat infolgedessen genau genommen einfach nur ein paar Entwicklungsschritte verpasst. Ein paar zugegeben nicht ganz unwesentliche.

Zum Beispiel die Lektion, wie zwischenmenschliche Beziehungen funktionieren. Deswegen greift er in unklaren Situationen auf Informationen zurück, die in ihrem Reptiliengehirn abgespeichert sind. Für den Narzissten sind ja gewissermaßen alle Situationen irgendwie unklar. Insbesondere wenn andere Menschen beteiligt sind. Wenn man das verstanden hat, ist es im Grunde ziemlich einfach, mit dem Narzissten umzugehen. Man muss nur die Grundzüge des Ape-Management beherrschen.

Kommentare   

+1 # Herr Ösi 2019-03-08 13:38
Ja, da ist was dran. Gerade Macht ist ein Dingens, von dem man nicht genug - oder besser: nie - genug hat oder haben kann. Würde man eine Milliardärin - wenn es sein muss, dann eben nur eine gewöhnliche Millionärin - heiraten, hätte man zwei Dinge mit einem Schlag ... äh erschlagen. Die Frage nach der Macht und die Frage nach der Liebe. Man müsste nicht mehr wie blöd Lotto spielen, wo man im vorhinein weiß, das kann nichts werden. Gerade als Mann wünscht man sich eine Gesellschaft, in welcher Milliardärinnen, am besten solo und attraktiv, überproportional vertreten sind und setzt sich selbstlos für eine Frauenquote ein ... ;)
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