PapstKonservative und Progressive
Jene Narzissten, welche die Macht in Händen halten, sind eigentlich immer konservativ. Das liegt in der Natur der Sache, denn sie wollen das System ja erhalten. Alle anderen Narzissten, also jene, die zu diesem Zeitpunkt nicht an der Macht sind, sind dagegen beinnahe immer progressiv. Sie hängen jedoch, was ebenfalls in der Natur der Sache liegt, der festen Überzeugung an, dass ihnen die Macht, welche die anderen in Händen halten, unter allen Umständen selbst zusteht.

Die Konservativen befürworten strikte Hierarchien, weil diese ihnen helfen, das System zu zementieren. Die Progressiven dagegen wittern jedes Mal Morgenluft, wenn sich eine Bewegung (welche auch immer) als mächtig genug erweist, das System zu sprengen. Sie kapern daher jeden fahrenden Zug und setzen sich an dessen Spitze. Gerade so als ob sie von der ersten Stunde an dabei gewesen wären. Sie nutzen die Gunst der Stunde, um sich selbst in
Amt und Würden zu katapultieren. Die Verschlimmbesserungen, die unter dem Strich dabei heraus kommen, sind allerdings für den Rest der Menschheit nicht selten noch ärger, als alles, was man bis dahin erlebt hat.

Vom Saulus zum Paulus
Wenn der Narziss dann schließlich an die Macht gelangt ist, ganz gleich ob mit oder gegen den Strom, ist für ihn letztlich nur noch eine Frage von Interesse: Wie wird er selbst in Amt und Würden mit solchen unbequemen Außenseitern fertig wie er früher selber einer war? Da es inzwischen verpönt ist, politische Gegner oder Kritiker einfach zu meucheln, hat sich im Lauf der Geschichte immer mehr der so genannte Wärmetod, auch als Tod durch Umarmung bekannt, sehr bewährt: Der Narziss gewährt seinen Feinden generös Einlass in sein Heiligtum und macht sie im Handumdrehen zu Konvertiten. Wenn sie ehrgeizig sind, mutieren sie innerhalb kürzester Zeit vom Saulus zum Paulus und werden schließlich katholischer als der Papst.

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