Rudel, Hackordnung, SchafeWir Menschen tun ja im Allgemeinen gerne so, als ob der Homo sapiens höher entwickelt wäre als seine Primaten-Verwandten und überhaupt als all die anderen Säuger. Das ist allerdings nicht der Fall. Denn alles, was tatsächlich etwas komplexer geworden ist, ist das wirkliche Leben da draußen. Der Mensch selbst eigentlich eher nicht.

Die Guten und die Bösen
Damals war die Welt jedenfalls noch ziemlich einfach: Die, die zum Rudel gehörten, waren aus Sicht des Rudelchefs die Guten und die anderen, also die sich nicht zum Affen machen ließen oder nicht dazu gehörten, warum auch immer, das waren die Bösen. Schon weil jedes Rudel aus irgendeinem unerfindlichen Grund immer glaubt, dass es das Beste aller Rudel sei. Das kann für das gegnerische Rudel mitunter recht gefährlich werden. Zum Beispiel dann, wenn das Rudel unzufrieden ist. Dann muss der Führer das allgemeine Murren irgendwie beruhigen und seine Unzulänglichkeiten anderweitig kompensieren.

Es ist also nur logisch, dass er dann behauptet, die anderen seien böse. Wenn das Rudel - und das sind naturgemäß viele - dann ebenfalls zur Auffassung gelangt, die anderen seien böse, dann sind die anderen eben auch böse. So einfach war früher die Logik. Und wenn das andere Rudel dann immer noch nicht klein beigibt, haben wir ein diplomatisches Problem.

Wir lernen daraus, dass das Feindbild eine sehr praktische Erfindung ist, denn es schart die ängstlichen Primaten um das Zentrum der Macht. Außerdem braucht der Narziss stets Sündenböcke, um seine eigene Unzulänglichkeit zu kaschieren und das Rudel für seine Bedürfnisse zu mobilisieren. Und weil komplexe Dinge für ihn einfach zu hoch sind, begnügt er sich eben gerne mit simplen Erklärungen.

Rituale der Macht
Es ist also kompletter Nonsens, wenn heute immer noch behauptet wird, die Staaten hätten sich erst mit der Antike herausgebildet. Nein, auch die Primaten hatten bereits eine ziemlich komplexe Politik. Genau genommen ist es dabei im Wesentlichen bis heute geblieben, weil ein mehr an Komplexität dem archaisch gestrickten Gehirn des Narzissten einfach nicht zuzumuten ist.

Auch an den Ritualen der Macht hat sich im Prinzip wenig geändert. Das große Tabu kaschiert immer noch die hässlichen kleinen Machtspielchen hinter den Kulissen der Zivilisation. Im Zentrum der Macht herrscht zwar Tohuwabohu, aber egal. Hauptsache, die Fassade stimmt. Also tun wir einfach mal weiter so, als ob, weil alles andere könnte ja das System gefährden und wir haben gerade kein besseres. Was vermutlich vor allem daran liegt, dass es aus Menschen besteht.

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